Ein wesentliches Ziel der unter dem Stichwort Solvency II von der Europäischen Kommission initiierten Reform der Versicherungsaufsicht ist es, Modelle und Verfahren zur Berechnung des Risikokapitals, das sich aus den tatsächlichen Risiken des Unternehmens ableiten soll, zu entwickeln. Neben einem EU-einheitlichen, risikogerechten Standardansatz sollen Unternehmen auch eigene interne Modelle heranziehen können. In diesem Zusammenhang gewinnt die genaue Identifikation und Analyse der zu Grunde liegenden Risiken immer mehr an Bedeutung.
Das Prämienrisiko als eines der wesentlichen Risiken des versicherungstechnischen Kerngeschäfts trägt einen bedeutenden Anteil zur Gesamtrisikosituation eines Schadenversicherers bei und übt dadurch einen signifikanten Einfluss auf den Risikokapitalbedarf aus. Vor diesem Hintergrund ist die Analyse des Prämienrisikos, mit der sich der erste Teil des Buches beschäftigt, von großem Interesse. Zielsetzung dabei ist die Identifikation von Bestandteilen sowie deren Beschreibung und Abgrenzung. Die umfassende Analyse setzt sich mit der zentralen Fragestellung auseinander, welche Komponenten in den Modellen enthalten sein müssen, um das Prämienrisiko adäquat und entsprechend der individuellen Risikosituation des Unternehmens abzubilden.
Zusätzlich wird im Rahmen der Arbeit ein konkreter Vorschlag zur Modellierung des Prämienrisikos gegeben, wobei geeignete Methoden zur Darstellung der verschiedenen Komponenten ebenso Gegenstand der Betrachtung sind, wie die darauf aufbauende Bestimmung des Risikokapitalbedarfs. Besondere Beachtung findet zudem die Berücksichtigung stochastischer Abhängigkeiten sowie der Rückversicherungsstruktur.
Im zweiten Hauptteil der Arbeit wird die Vorgehensweise ausgewählter Solvency-II-kompatibler Standardansätze (GDV-Modell, QIS 4 Modell, Swiss Solvency Test) hinsichtlich der Modellierung des Prämienrisikos erläutert und untersucht; ferner werden die notwendigen mathematischen Grundlagen dargestellt. Die Diskussion klärt, wie weit es den verschiedenen Ansätzen gelingt, das Prämienrisiko, und insbesondere seine verschiedenen Komponenten, in angemessener Weise abzubilden.
Rezension von Dr. Stefan Hirschmann