Der Investmentdebatte zuzuhören, ist momentan interessant: Die Meinungen sind sowohl festgefahren als auch völlig polarisiert. An der Wachstumsfront haben wir jene, die auf eine V-förmige, und jene, die auf eine W-förmige Erholung bauen. Bei den Preisen gibt es die "Inflationisten" und die "Deflationisten". Und was die Märkte betrifft, so haben wir wie immer sowohl die Bullen als auch die Bären, die stets dieselben zu sein scheinen. Sie vertreten immer dieselben Meinungen, und zwar unabhängig von den Investmentgrundlagen.
Unser allgemeiner Konjunkturausblick liegt meistens irgendwo zwischen diesen Extremen. Im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum glauben wir, dass sich die Welt im nächsten Jahr mit einer jährlichen Wachstumsrate von drei bis vier Prozent erholen wird, angeführt von den Schwellenmärkten und Asien, wobei Großbritannien dann das Schlusslicht bilden wird. Für die nächsten Quartale gehen wir davon aus, dass der allgemeine Tenor der Wirtschafts- und Unternehmensnachrichten positiv bleibt. Wir nehmen an, dass die Unternehmensgewinne in diesem Quartal wahrscheinlich ihre Talsohle erreichen. Ferner sind wir überzeugt, dass die Gewinnzahlen im Jahr 2010 wahrscheinlich um 25 Prozent höher ausfallen werden als die für 2009 zu erwartenden eher niedrigen Gewinne.
Bei den Preisen gehen wir davon aus, dass die großen Produktionslücken die Inflation in der nahen Zukunft höchstwahrscheinlich deckeln werden. Auch wird die deflationäre Wirkung der fiskalischen Sparmaßnahmen (Senkungen bei den Staatsausgaben) wohl bedeuten, dass die Geldpolitik bis ins Jahr 2010 hinein weiter locker bleibt.
Die Märkte sind zwar nicht mehr so attraktiv wie noch vor sechs Monaten, doch wenn wir die Bewertung durch die Analysten mit dem üblichen nüchternen Blick betrachten, stellen wir fest, dass sie gut aussehen. Aktien und Unternehmensanleihen haben weiterhin Entwicklungspotenzial und die Preise für Gewerbeimmobilien werden folgen, wenn auch auf die typisch langwierige und schwerfällige Art und Weise, da diese Anlageklasse einem eigenen Bewertungsprozess unterliegt.
So funktioniert die Politik der Regierungen und Zentralbanken anscheinend hervorragend, untermauert den Aufschwung und treibt die Anleger aus den defensiven Anlageklassen mit niedrigen Renditen, wie beispielsweise Barmittel, und senkt dabei dramatisch die Kapitalkosten für die Unternehmen.
Es wird deutlich, dass diese übermäßig lockere Politik aus der Not geboren wurde, um den vollständigen Zusammenbruch des Finanzsystems und der Weltwirtschaft im Allgemeinen zu vermeiden und, dass sie an irgendeinem Punkt umgekehrt werden muss. Deshalb wird das nächste große Risiko darin liegen, wie und wann die Verantwortlichen darangehen, die Wirtschaftspolitik zu normalisieren. Tun sie es zu früh, riskieren sie, die erwachenden Kräfte, die für eine anhaltende wirtschaftliche Erholung wichtig sind, zu unterdrücken. Tun sie es zu spät, erleben wir vielleicht eine ausufernde Inflation. Zurzeit halten sich die Politiker ziemlich bedeckt. Wir sind der Überzeugung, dass die richtige Strategie momentan darin besteht, in Aktien, Unternehmensanleihen sowie Immobilien investiert zu bleiben und den Nutzen aus dem staatlich geförderten Aufschwung an den Anlagemärkten mitzunehmen. Es wird die Zeit kommen, dass die Verantwortlichen beginnen, ihre Anreizpakete zu verwässern. Jedoch ist es unserer Meinung nach momentan zu früh um in den Portfolios eine defensive Strategie zu ergreifen.
Autor: Andrew Yeadon ist Leiter Schroders Multi-Manager.
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Kommentare zu diesem Beitrag
Das dritte U hat dann wieder internationale Klasse. Der Grund ist nach Walter die Abkehr der Zentralbanken von der Nullzinspolitik und das Ende der Stimulierungspolitik der Regierungen. Die Notenbanken werden - so der Chefvolkswirt der Deutschen Bank - bereits im Frühsommer beginnen, die Geldmenge zu reduzieren und die Zinsen zu erhöhen. Ziel ist es vor allem eine Mega-Inflation zu verhindern. Die Regierungen werden allerdings etwas später aufhören, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Walter ist sich sicher, dass wir nicht verhindern können, dass die Weltwirtschaft zum dritten Mal binnen zwei Jahren Schwäche zeigt ...
Sehr lesenswerte Analyse - siehe Focus Money 44/2009, S. 30 bis 35.